SBCS #2 – Rückblick

Social & Business – Was ist dein Motiv? 

Motive bestimmen unser Handeln – und dementsprechend auch unser soziales und wirtschaftliches Handeln. Der 2. Social Business Club präsentierte unterschiedliche Zugänge zu sozialunternehmerischem Handeln und stellte den Widerspruch zwischen den vermeintlich unterschiedlichen Welten in Frage. Unsere fast 100 Besucherinnen und Besucher im Grazer Rathaus haben wieder gezeigt, wie groß das Interesse und die Offenheit für die Ideen um sozialunternehmerisches und gesellschaftlich orientiertes Wirtschaften in der Steiermark ist.

 

Im Spektrum unterschiedlicher Erscheinungsformen gesellschaftlichen Unternehmertums konnten wir die verschiedensten Positionen in der spannenden Diskussion vertreten wissen: Gerd Kronheim, Pionier sozialökonomischer Beschäftigungsbetriebe in der Steiermark, repräsentierte als Geschäftsführer von „Bicycle“ hybride Geschäftsmodelle, die neben öffentlichen Zuwendungen vor allem auf Eigenerwirtschaftung bauen. Sonja Hiebler, Corporate Communications Managerin bei Anton Paar Gmbh, war aus dem Kreis des Podiums noch am ehesten der klassischen Wirtschaftswelt zuzuordnen. Sie zeigte wie facettenreich und unkonventionell Zugänge im wirtschaftlichen Selbstverständnis sein können und erläuterte dies am Beispiel der Santner Privatstiftung als Eigentümerin der Anton Paar GmbH. Anna Mostetschnig von Three Coins, einem steirisch-wienerischem Social Business gab Einblicke, warum sie es als wichtig erachtet die Finanzkompetenz unserer Gesellschaft und insbesondere von jungen Menschen spielerisch zu erweitern. Gastgeberin Bürgermeisterstellvertreterin Dr. Martina Schröck, zeigte vor allem den Bedarf für den Brückenschlag und einem synergetischen Zusammenspiel von Wirtschaft und Sozialem auf.

 

Martina Schröck 
Bürgermeisterstellvertreterin, Stadträtin für die Bereiche Soziales, Arbeit und Beschäftigung und Generationen

Soziales und Wirtschaft scheinen oft zwei unterschiedliche Welten zu sein. In den stadtpolitischen Ressorts die in Martina Schröcks Verantwortungsbereich fallen, verknüpfen sich diese Bereiche ganz selbstverständlich. Sichtbar gemacht mit der Kampagne „sozial verbindet“. Sozial sein, heißt für Martina Schröck nicht altruistisch, sondern egoistisch zu sein. In einer empathischen Gesellschaft nimmt Gerechtigkeit und sozialer Ausgleich eine bedeutende Stellung ein, in der insbesondere auch das Individuum einen Vorteil hat, wenn es allen gut geht. Sie stellt vor allem in Frage, im Zusammenhang mit sozialen Leistungen immer nur von Kosten zu sprechen und regt dazu an zu hinterfragen was denn wäre, wenn bestimmte Einrichtungen und Sicherungssysteme nicht vorhanden wären. Im Zusammenhang mit konkretem Handlungsbedarf für ihren Aufgabenbereich sieht Martina Schröck selbstkritisch vor allem das Planen und Denken in politischen Perioden und unterstreicht den Bedarf Nachhaltigkeit und Langfristigkeit als Kategorien in politischen Prozessen zu verankern. Für Graz sieht sie die Themen Arbeitslosigkeit, Wohnraum und Pflege als Themen denen besonders Aufmerksamkeit zu schenken ist.

 

Sonja Hiebler
Corporate Communications Managerin, Anton Paar GmbH

„Es geht immer um den Menschen und das ist der einzige Unternehmenszweck, den wir bei Anton Paar haben“ sagt Sonja Hiebler vom Grazer Mess- und Regeltechnikunternehmen Anton Paar GmbH und zeigt damit den markanten Zugang im unternehmerischen Selbstverständnis, das auf hohen ethischen und moralischen Werten beruht. Der Mensch und sein Streben nach Selbstverwirklichung und Sinnerleben stehen im Mittelpunkt des Unternehmertums. Frau Hiebler betont, dass Profit niemals Zweck des Wirtschaftens sein könne, gleichsam wie Atmen niemals Zweck des Lebens sein kann. Dies spiegelt sich auch in der Tatsache wider, dass eine gemeinnützige Privatstiftung Eigentümerin des, über 1.700 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen großen Unternehmens ist. Sie sieht im Begriff CSR vor allem die Betonung auf den Baustein Response, der es fordert Auskunft und Antwort darüber geben zu können, warum man etwas macht und welche Motive das eigene Tun in der täglichen Arbeit bestimmen. Für Anton Paar ist soziales Engagement eine Sache des Hausverstandes, weshalb man sich mit den üblichen CSR-Aktivitäten, die sicherstellen „dass man besser dasteht“, nicht wirklich identifizieren kann.

 

Gerd Kronheim
Geschäftsführer Bicycle – Sozialökonomischer Betrieb, Obmann Beschäftigungsbetriebe Steiermark

Mit Bicycle, gegründet aus der eigenen Betroffenheit heraus, betreibt Gerd Kronheim einen der bekanntesten sozialökonomischen Jugendbeschäftigungs- und Qualifizierungsbetriebe der Steiermark. Das Spannungsfeld für sozialwirtschaftliche Betriebe oder soziale Integrationsunternehmen ergibt sich durch die wirtschaftliche Mindesterfordernis, die der Fördergeber definiert und den Problemstellungen der Zielgruppe für die Arbeitsplätze geschaffen werden. Der Großteil der Arbeitsplätze sind sogenannte Transitarbeitsplätze, die Personen im Durchschnitt über eine Zeit von 9 Monaten Beschäftigung ermöglichen und ihnen dadurch Selbstsicherheit und Mut geben, um schließlich am 1. Arbeitsmarkt Platz zu finden. Im Rahmen des Settings ist eine hohe wirtschaftliche Leistungsfähigkeit vor allem unter dem Druck der Fördergeber zwangsweise erforderlich, wobei der Charakter der Betriebe sich nicht verändern darf.

 

Anna Mostetschnig
Co-Founder Three Coins 

Motiv für die Unternehmensgründung? Armutsbekämpfung! Wie? Indem Jugendliche den Umgang mit Geld lernen, weil in dieser Lebenszeit zu einem hohen Prozentsatz die Schuldnerkarriere startet. Der/die durchschnittliche 25-jährige ÖsterreicherIn hat einen Kontostand von -6.000 Euro, und die Anzahl der Privatinsolvenzen haben sich in den letzten 10 Jahren verdreifacht. Mit Three Coins entwickelten die jungen Damen ein Freizeit-Produkt, welches die Lücken in der Finanzbildung der 14- bis 19-Jährigen schließen soll und das dabei maßgeblich auf Facebook und Gaming setzt. Games werden als Learning-Machines mit schnellen Feedback-Mechanismen eingesetzt, wodurch die Idee entstand das World of Warcraft der Finanzbildung zu entwickeln. Es holt die Jugendlichen auf unkonventionellen Weise dort ab, wo sie momentan oft zu finden sind – in der virtuellen Welt.

 

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